Ethos fordert im Rahmen der Generalversammlung vom 12. Mai 2026 wiederholt Verbesserungen der Corporate Governance von der Swatch Group. Ethos veröffentlicht ihre Abstimmungsempfehlungen zuhanden der Aktionärinnen und Aktionäre.
Die Ethos Stiftung fordert seit mehreren Jahren von der Swatch Group die Erneuerung des Verwaltungsrats und Verbesserungen der Corporate Governance. Von den derzeit sieben Verwaltungsratsmitgliedern vertreten vier (Nayla Hayek, Nick Hayek Jr., Marc Hayek und Daniela Aeschlimann) den Mehrheitsaktionär, der 26,4 Prozent des Kapitals und 44,5 Prozent der Stimmrechte hält. Die drei Mitglieder, die nicht Teil des Hayek-Pools sind, gehören seit 16 Jahren (Jean-Pierre Roth), 21 Jahren (Claude Nicollier) und 31 Jahren (Ernst Tanner) dem Verwaltungsrat an. Dies überschreitet die von Ethos festgelegte Grenze von 12 Jahren, um als unabhängig zu gelten. Somit ist kein Mitglied des Verwaltungsrats unabhängig. Darüber hinaus üben die drei Mitglieder der Familie Hayek auch operative Funktionen innerhalb des Konzerns aus, was dem Grundsatz der Gewaltenteilung zwischen Geschäftsführung und Aufsicht zuwiderläuft.
In den letzten drei Jahren hat Ethos ausdrücklich die Ernennung neuer unabhängiger Mitglieder in den Verwaltungsrat gefordert. Ethos ist zu diesem Zweck an den seit der Covid-Pandemie ausschliesslich virtuell stattfindenden Generalversammlungen aufgetreten. Ethos nimmt positiv zur Kenntnis, dass eine seiner Forderungen Gehör gefunden hat: Zum ersten Mal seit 16 Jahren schlägt der Verwaltungsrat vor, mit Andreas Rickenbacher einen unabhängigen Kandidaten in den Verwaltungsrat zu wählen. Zudem führt die Swatch Group erstmals eine separate und ausschliesslich dieser Aktionärsgruppe vorbehaltene Abstimmung für die Wahl eines Vertreters der Inhaberaktionärinnen und -aktionäre durch.
Weitere Fortschritte dringend nötig
Für Ethos sind die erwähnten Verbesserungen unzureichend. Die Governance der Swatch Group ist weiterhin weit von Standards entfernt, die von einem kotierten Unternehmen mit einem Streubesitz von 75 Prozent zu erwarten sind.
Vor diesem Hintergrund hat der Minderheitsaktionär Greenwood (0,5 Prozent des Kapitals) der Generalversammlung mehrere Anträge vorgelegt, darunter die Kandidatur von Steven Wood als Mitglied des Verwaltungsrats und Vertreter der Inhaberaktionärinnen und -aktionäre. Um diesem Antrag entgegenzuwirken, hat der Verwaltungsrat einen eigenen Kandidaten (Andreas Rickenbacher) vorgeschlagen und angekündigt, nur einen einzigen solchen Vertreter zu akzeptieren.
Ethos-Direktor Vincent Kaufmann bekräftigt: «Zur Verbesserung der Governance und Unabhängigkeit im Verwaltungsrat wird Ethos auch die Wahl von Steven Wood unterstützen. Auf diesem Weg können direkt zwei neue Mitglieder, die nicht dem Hayek-Pool angehören, in den Verwaltungsrat gewählt werden. Dieser war den Inhaberaktionärinnen und -aktionären seit mehr als 16 Jahren de facto verschlossen geblieben. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmungen fordert Ethos vom Verwaltungsrat, im nächsten Jahr neue unabhängige Verwaltungsratsmitglieder vorzuschlagen.»
Ethos ist überzeugt, dass ein erneuerter Verwaltungsrat, der über ausreichende Unabhängigkeit und Kompetenzvielfalt verfügt, eine wesentliche Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg der Swatch Group ist. Der Verwaltungsrat muss sicherstellen, dass der Konzern über die notwendigen strategischen Fähigkeiten verfügt, um Wachstumschancen zu nutzen, insbesondere auf entscheidenden Märkten wie den Vereinigten Staaten oder dem asiatischen Raum. Dieses Wachstum soll dazu beitragen, das industrielle Gefüge der Schweiz, Arbeitsplätze, Know-how und ein Netzwerk lokaler Lieferanten zu erhalten.
Risiko für Minderheitsaktionäre
Gemäss Ethos stellt die gegenwärtige Corporate Governance der Swatch Group ein ernstes Risiko für Minderheitsaktionärinnen und -aktionäre dar. Ethos empfiehlt daher, gegen die Entlastung des Verwaltungsrats (Traktandum 2) zu stimmen. Ethos empfiehlt zudem, gegen den Nachhaltigkeitsbericht (Punkt 1.2), gegen die Vergütungen der Verwaltungsratsmitglieder (Punkt 4.1.2), gegen die variable (Punkt 4.3) und die Gesamtvergütung (Punkt 4.4) der Mitglieder der Konzernleitung sowie gegen die Wiederwahl der seit 1992 bei der Swatch Group tätigen Revisionsstelle PwC (Punkt 8) zu stimmen.
Dagegen empfiehlt Ethos, den sechs von Greenwood eingereichten Aktionärsanträgen zuzustimmen. Sie zielen darauf ab, die Corporate Governance zu verbessern und die Rechte der Minderheitsaktionäre zu wahren. Ethos unterstützt insbesondere Punkt 9.3, der die Funktionen des Verwaltungsratspräsidenten und des Vorsitzenden der Geschäftsleitung trennen will, sowie Punkt 9.6, der die Rückkehr zu einer Generalversammlung mit physischer Anwesenheit der Aktionärinnen und Aktionäre (hybrid) fordert. – zwei seit langem bestehende Forderungen der Stiftung Ethos.